Warum lange Verfahren das Wohnen unnötig verteuern – und wie wir das ändern können
Wenn ein Wohnbauprojekt auf Entscheidungen wartet, tickt die Uhr: Zinsen und Planungskosten laufen weiter, während wertvolles Eigenkapital gebunden bleibt. Die Folgen spüren am Ende alle Beteiligten.
Für ein einziges Wohnbauprojekt können sich durch Verzögerungen schnell fünf- bis sechsstellige Mehrkosten summieren. Diese Ausgaben verteuern die gesamte Projektentwicklung massiv – ohne dass durch dieses Geld auch nur eine einzige zusätzliche Wohnung entsteht. In Zeiten, in denen bezahlbarer Wohnraum ohnehin ein drängendes Thema ist, ist das ein Zustand, den wir uns nicht leisten können.
Neue Reihe: „Standpunkt Wohnbau – Michael Kugler ordnet ein“
Mit diesem Artikel starten wir bei CARISMA eine neue, wiederkehrende Reihe zu drängenden Fragen, die die Projektentwicklung und das Thema Wohnen ganz konkret betreffen.
Als Inhaber und Geschäftsführer von CARISMA bringt Michael Kugler hierbei die Perspektive aus der täglichen Praxis der Projektentwicklung ein. Das Ziel: Komplexe Themen sachlich und fachlich einordnen – und vor allem den Blick auf umsetzbare Verbesserungen richten.
Ausgabe #1: Die Verfahrensdauer als Kostentreiber
Natürlich ist die Verfahrensdauer nicht der einzige Faktor, der das Bauen aktuell herausfordernd macht. Zinsen, Grundstückspreise und Baukosten bleiben entscheidende Stellschrauben. Doch dort, wo Abläufe in der Administration unnötig lange dauern, haben wir als Gesellschaft und Branche konkrete Hebel in der Hand.
Wenn wir diese Hebel nutzen, können wir viel bewegen. Drei Lösungsansätze stehen dabei im Vordergrund:
- Verbindliche Fristen für Entscheidungen: Es braucht klare zeitliche Rahmenbedingungen für Behördenwege, auf die sich Projektentwickler verlassen können.
- Rechtsverbindliche Kriterien für den Erhalt von Bebauungsplänen: Transparenz und Eindeutigkeit verhindern endlose Schleifen und Nachbesserungen.
- Mehr und einfachere Möglichkeiten zur Nachverdichtung: Wir müssen den Raum, der uns zur Verfügung steht, effizienter und unbürokratischer nutzen können.
Schnelligkeit bedeutet nicht Kontrollverlust
Wichtig ist dabei eine klare Unterscheidung: Beschleunigung bedeutet nicht, notwendige Prüfungen auszulassen oder Qualitätsstandards zu senken.
Es geht vielmehr um nachvollziehbare Kriterien, klare Zuständigkeiten und verlässliche Zeitrahmen. Genau das schafft die dringend benötigte Planungssicherheit – und zwar auf allen Seiten: für Gemeinden, für Planerinnen und für Bauträgerinnen. Nur mit dieser Sicherheit lassen sich vermeidbare Zusatzkosten wirksam begrenzen.
Hintergrund dieses Beitrags ist der Artikel „Bremser im System: Wie Bürokratie das Wohnen verteuert“, der am 27. September 2026 in der „TT am Sonntag“ (Seite 44) erschienen ist.
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